Cafe Heider Frühstück Brunch und Mehr

Berühmte Konditoreien - in Ihnen zeigte sich einst das typische Leben einer Stadt. Namen wie Café Kranzler in Berlin, Café Greco in Rom, Café de la Paix in Paris, Café Demel in Wien und Café Florian in Venedig lassen ganze Epochen lebendig werden. Im Alltag und Sonntag der damaligen Hofkonditorei Rabien, dem heutigen Restaurant & Café Heider spiegelte sich das Leben der kaiserlichen Residenzstadt Potsdam. Dorthin kamen die Prinzen und Prinzessinnen, die Angehörigen der Hofgesellschaft, die Gardeoffiziere, die Potsdamer und die Fremden. Neue Generationen und neue berühmte Gäste fanden hier in der Zeit zwischen den Weltkriegen und selbst noch in den dunklen Tagen nach 1945 die alte Tradition.

Cafe Rabien 1929 Hofkonditor

Das Eckhaus am Nauener Tor, direkt im Holländischen Viertel wird 1731 vom holländischen Tischlermeister Gerrad de Ridder erbaut, der 1743 den königlichen Schenkungsbrief für Haus und Grundstück erhält. Im Jahre 1901 kommt der junge Konditormeister Ernst Rabien nach Potsdam, um in der Konditorei Kessler am Nauener Tor seine Stellung anzutreten. Im Jahre 1903 übernimmt Ernst Rabien das Haus am Nauner Tor selbst und führt es unter dem Namen "Konditorei Rabien" weiter. Es sprach sich bald herum, dass man am Nauener Tor konditern gehen müsse. Eine Exzellenz erzählte es der anderen, was man dort für Torten und Pasteten bekam. Eines Tages betrat der kaiserliche Hofmarschall die Konditorei - und dann dauerte es nicht mehr lange bis der Konditormeister eines Tages ein Schreiben mit dem Briefkopf "Cabinet Seiner Hoheit des Fürsten von Hohenzollern" in der Hand hielt. Ihm wurde darin feierlich das Prädikat als "Höchstdero Hofconditor" verliehen.

Cafe Rabien 1929 Hofkonditor

"Euer Hochwohlgeboren empfehle ich ergebenst als besondere Delikatesse meine Baumkuchenzacken, Baumkuchen in jeder beliebigen Größe, die größte Auswahl in Torten, Petifours und Gateaux Melés, in einfachen bis allerfeinsten Desserts, in Marzipan und Honigkuchen, dazu Eis und Halbgefrorenes in Kegeln, Bomben wie auch in Figuren." Ernst Rabien, Hofconditor, Potsdam, Eckhaus am Nauener Tor Diese in zierlicher Schrift gesetzte und mit Bildern von Medaillen und Ehrenpreisen reich geschmückte Offerte wurde im Frühjahr 1905 in ganz Potsdam mit wohlwollendem Lächeln zur Kenntnis genommen - hauptsächlich von all den Exzellenzen, Adjudanten und dem Hof nahestehenden Familien, die in dem eleganten Villenbereich zwischen dem Nauener Tor und dem Neuen Garten wohnten.

Denn für diese Herren und Damen stand es von vornherein fest, dass man nur beim Hofkonditor Rabien am Nauener Tor bestellen und konditern konnte. Und es wurde sehr viel bestellt und sehr viel konditert - damals in der Residenzstadt Potsdam.

Cafe Rabien 1929 Hofkonditor

Fast 50 Jahre lang überlebte die Konditorei Rabien den Glanz und den Sturz des Kaiserhauses, den Wirbel der Inflationsjahre, die gesamte Zeit zwischen den Kriegen und später auch die Bombennacht, die Potsdam so furchtbar zerstörte. Das alte Stammpublikum blieb ihr immer treu; noch in den Jahren nach 1945 konnte man hier ein Stück altes Potsdam finden.

In den sechziger Jahren übernimmt der Konditor Karl Heider das Café, benennt es nach seinem Namen. Das Café Heider war zu DDR Zeiten das einzig privat betriebene Café Potsdams. Es gab Kuchen aus der hauseigenen Backstube und Live-Caféhaus-Musik mit Geige und Klavier. Das Heider war eine Insel, ein Refugium, das bald verschiedene Szenen beherbergte. Das Angebot, an diesem anderen Ort "anders" sein zu können, war sehr verlockend. Geradezu zwingend. Zumal sich dafür ringsum wenig Gelegenheit fand.

Cafe Heider 1988-89

Im Heider konnte man glauben, der uniformen DDR entronnen zu sein. Hier konnte das Leben ausnahmsweise etwas bunter sein. Es gab radikale Gespräche, Kunst- und Lebensentwürfe, die nur in diesem Café leuchteten. Die Luft war voller wunderbarer Ideen. Das Café Heider war die Kontaktbörse Nr.1, hier wurden nicht nur Gedanken und Blicke getauscht, sondern auch Trabantenteile, Antiquitäten und die raren verbotenen Bücher. Und Plätze waren immer knapp, man saß bunt gemischt beieinander: Beamte, Militärs, Ärzte neben Schülern, Studenten und Künstlern. Es gab Besucher und Gäste, die noch heute sagen, dieses Café sei ihr eigentliches Zuhause gewesen. 1991 wird das Café Heider altersbedingt geschlossen.

 

Im Jahre 1995 wird das Haus nach Plänen Altberliner Caféhäuser rekonstruiert und noch im November des gleichen Jahres unter dem Namen "Café Heider" wieder eröffnet.

 

Herzlich Willkommen im Restaurant & Café Heider - dem Wohnzimmer der Stadt.

 

Quellenverzeichnis: "In Potsdam mal konditern gehn.", Geschichte aus 5 Jahrzehnten, Franz Born "Damals im Café Heider" von Martin Ahrends & Renate Wullstein, Verlag Schwarzdruck, 2006